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Nachruf

Am 29. Oktober 2020 verstarb Theodor Desens im Alter von 90 Jahren in Gummersbach.

Theodor Desens wurde am 13. April 1930 im Kreis Stolp in Pommern (heute zu Polen gehörend) geboren. Dort hatte die Familie Desens über viele Generationen auf einem eigenen Hof Landwirtschaft betrieben. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges erfolgte die Zwangsumsiedlung aller Deutschen. Dadurch verlor die Familie Desens im Jahr 1947 ihren Bauernhof, der bis dahin ihre Lebensgrundlage gebildet hatte.

Theodor Desens während des Jahrestreffens der Lagergemeinschaft Workuta / GULag Sowjetunion 2018 in der Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam.

So gelangte Theodor Desens, nachdem seine beiden älteren Brüder an Kriegsfolgen verstorben waren, zusammen mit seinen Eltern Ernst Desens und Auguste Desens nach Möllensee in Brandenburg, Landkreis Oder-Spree. Dort wohnten sie in einer sog. "Gartendatscha", die ihnen im Rahmen der Wohnraumbewirtschaftung zugewiesen worden war. Theodor Desens wollte eine Berufsausbildung machen. Sein Wunsch war es, in einem technischen Beruf tätig zu werden. Seine Affinität zur Technik war auch in den späteren Jahren seines Lebens prägend für ihn. Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz wandte er sich an die Arbeitsvermittlung, wo er keine angemessene Unterstützung fand. Stattdessen erhielt er die Antwort: "Helfen Sie erst mal, den Sozialismus aufzubauen!" So arbeitete er in der Folgezeit als Waldarbeiter, ohne jedoch eine qualifizierte Ausbildung zu erhalten. In seiner Perspektivlosigkeit wandte sich Theodor Desens an die in West-Berlin ansässige Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) und verteilte für diese Flugblätter im Raum Möllensee. Dies führte zu seiner Verhaftung durch die Staatssicherheit am 15. März 1951. Nach vorangegangener Untersuchungshaft in dem KGB-Gefängnis in Potsdam in der Lindenstraße wurde er am 25. Juni 1951 durch ein sowjetisches Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Dieses Urteil wurde in Workuta vollstreckt, wo Theodor Desens unter Tage in den Kohleschächten 40, 30 und 32 arbeitete.

Nach dem Besuch des Bundeskanzlers Konrad Adenauer in Moskau wurde Theodor Desens im Oktober 1955 aus der Haft entlassen und kam am 16. Oktober 1955 in Rüdersdorf (Landkreis Oder-Spree) an. Von dort ging er zunächst zurück zu seinen Eltern, die weiterhin in Möllensee lebten. Am 16. November 1955 fuhr er mit der S-Bahn nach West-Berlin, von wo er dann in die Bundesrepublik Deutschland übersiedelte. Dort begab er sich nach Gummersbach, wo bereits ein Jugendfreund aus seiner Schulzeit wohnte.

In Gummersbach lernte Theodor Desens am 7. April 1956 seine Ehefrau Christel kennen, die er am 5. Oktober 1957 heiratete. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, die in den Jahren 1958, 1960 und 1962 geboren wurden.

In den Jahren 1956 bis 1958 erlernte Theodor Desens – seinem Wunsch entsprechend – den Beruf des Betriebsschlossers. In den Jahren 1962 und 1963 erbaute er ein Haus, das er bis zu seinem Tode bewohnt hat. Nach Fertigstellung des Hauses siedelten seine Eltern aus der DDR in die Bundesrepublik über und wohnten bis zu ihrem Tode in der oberen Etage des von ihrem Sohn erbauten Hauses.

Später bildete sich Theodor Desens im Rahmen eines Fernstudiums zum Techniker weiter. Im Jahr 1971 erhielt er daraufhin einen Arbeitsplatz als Technischer Angestellter, auf dem er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 1991 tätig war.

Prägend für sein Leben waren die Erfahrung der Zwangsumsiedlung im Jahr 1947 und der damit verbundene Verlust der Lebensgrundlage. Deshalb war es ihm wichtig, für sich selbst und für seine drei Kinder eine qualifizierte Ausbildung sicherzustellen. So begleitete er seine Kinder über die Erlangung des Abiturs bis hin zum erfolgreichen Universitätsabschluss, so dass seine Kinder heute in ihren Fachgebieten als Oberstaatsanwalt, als Diplom-Kaufmann und als Ärztin tätig sind. Die Kinder sprechen ihm dazu ihren besonderen Dank aus.

Ein Nachruf von Dr. Gerald Joram und von Joachim Desens